Fast kein Durchkommen für die Feuerwehr

Fehlende Rettungsgasse verzögert Feuerwehreinsatz immens und führt immer wieder zu Vollsperrung der A99 !

17.07.2017 16:41 Uhr
Diesel aus beschädigtem LKW-Tank ausgelaufen

Wieder einmal hat eine fehlende Rettungsgasse einen Feuerwehreinsatz stark behindert. Ganze 40 Minuten statt geschätzen 7 Minuten für die 8,8 Kilomenter brauchte das Einsatzfahrzeug der Freiwilligen Feuerwehr Unterföhring mit dem Verkehrssicherungsanhänger für die Strecke zum Einsatzort auf der A99.

Hilfsfrist laut Bayrischem Feuerwehrgesetz, Artikel 1, Absatz 1.2. wären höchstens 10 Minuten!

Zum Glück war es diesmal kein Unfall mit verunglückten Personen. Aus einem beschädigten LKW-Tank waren ‘nur’ etwa 100 Liter Diesel ausgelaufen.

Kein Autofahrer kann sich wahrscheinlich vorstellen, was eine fehlende  Rettungsgasse für Folgen hat, für die Feuerwehr, die Polizei, den oder die Verunfallten, aber auch und vor allem für die AUTOFAHRER IM STAU: Da von hinten kein Durchkommen war, mussten im betroffenen Autobahnabschnitt die Fahrspuren Richtung Salzburg komplett gesperrt werden – damit das Rettungsfahrzeug ab der nächsten Ausfahrt entgegen der Fahrtrichtung auffahren konnte.
Das heißt: die Polizei folgt dem letzten durchgelassenen Auto bis zur nächsten Ausfahrt, um sicherzustellen, dass sich auch wirklich kein Auto mehr im gesperrten Abschnitt befindet, um dann das benötigte Rettungsfahrzeug entgegen der Richtung zur Unfallstelle zu geleiten.

Dieser Prozess der Vollsperrung, des Leer-werden-Lassens, der Kontrolle und des Gegen-die-Richtung-Fahrens wiederholte sich noch zweimal für das benötigte Abschleppfahrzeug sowie für die Autobahnmeisterei. Jede dieser Sperrungen dauerte jeweils zwischen 15-30 Minuten, da die großen Rettungsfahrzeuge vor der Unfallstelle auch noch wenden mussten, bevor die Fahrspur bis zum nächsten ankommenden Helfer wieder freigegeben werden konnte.

Und alles nur wegen der fehlenden Rettungsgasse!

Obwohl von uns für die Autofahrer eigentlich eine Spur freigehalten wurde, um ein Vorbeifahren und Heimkommen in der Hauptverkehrszeit am frühen Abend zu gewährleisten.

Da die Autofahrer sich nicht an die geltenden Regeln der Bildung einer Rettungsgasse hielten, trafen auch der Auffangtank der Freiwilligen Feuerwehr Oberschleißheim zum Aufnehmen des restlichen Diesels sowie der Abschleppwagen relativ spät an der Einsatzstelle ein.

Nachdem der Tank leergepumpt, der ausgelaufene Diesel von der Straße entfernt und der LKW abgeschleppt waren, konnte die Unfallstelle an die Autobahnmeisterei für eine Grundreinigung der beiden Fahrspuren übergeben werden.

Durch die mehrfach benötigte Vollsperrung waren die gebildeten Staus im abendlichen Berufsverkehr so lang geworden, dass die Staumeldungen noch im Radio zu hören waren, als die Feuerwehrkameradinnen und -kameraden schon wieder zu Hause waren.

Aufruf an alle Autofahrer:

Bitte nehmen Sie Ihre Pflicht zur Mithilfe ernst und bilden Sie Rettungsgassen für die Einsatzfahrzeuge. Sie könnten damit Leben retten!!

…und Sie kommen sogar schneller nach Hause, als wenn Sie Einsatzkräfte behindern und eine Vollsperrung einer Autobahn nötig machen!!

Im Übrigen wird das Blockieren der Rettungsgasse mit einem Bußgeld geahndet. Und das dürfte in Zukunft deutlich steigen, wie Bundesverkehrsminister Dobrindt angekündigt hat. Im Gespräch sind auch Strafpunkte in Flensburg.  Eine neue Verordnung dazu wird es voraussichtlich nach der Sommerpause geben.

Laut Bayerns Innen- und Verkehrsminister Joachim Herrmann habe sich Bayern auch für eine deutliche Erhöhung der Bußgelder bei solchen Verstößen eingesetzt. Nach dem neuen Entwurf zur Änderung der Bußgeldkatalog-Verordnung soll das Bußgeld bei einem Verstoß gegen die die Rettungsgassenpflicht von 20 Euro auf 200 Euro angehoben werden. Bei Behinderung drohen 240 Euro, bei Gefährdung 280 Euro und bei Sachbeschädigung 320 Euro Bußgeld, mit jeweils einem Monat Fahrverbot. Gleichzeitig sollen bei jedem Verstoß zwei Punkte fällig werden. Er weist darau hin, dass die Bayerische Polizei die Bildung der erforderlichen Rettungsgasse künftig noch konsequenter kontrollieren wird. “Dort, wo die Einsicht fehlt, müssen wir mit verschärften Kontrollen und harten Sanktionen nachhelfen”, betonte Herrmann.  (Quelle: Webseite des  Landesfeuerwehrverband Bayern)

Wir wollen den Unfallopfern so schnell wie möglich helfen können. Und wir wollen, dass Sie so schnell wie möglich weiter kommen. – Bitte unterstützen Sie uns dabei!!

Wie Sie am besten eine Rettungsgasse bilden, können Sie hier nachlesen: www.adac.de