Realistische S-Bahn-Nachtübung

6 Feuerwehren, 5 Rettungsdienste und viele Statisten bei nächtlicher Übung im Unterföhringer S-Bahntunnel.

29.01.2016
22:00  05:00

S-Bahn Nachtübung

Sollte jemals ein voll besetzter S-Bahn-Zug im Unterföhringer Tunnel stecken bleiben, müssen die Einsatzkräfte nicht nur die örtlichen Gegebenheiten bestmöglich kennen, sondern auch die bereichsübergreifende Zusammenarbeit funktionieren. Nur so kann im Notfall einer großen Anzahl von Verunfallten möglichst schnell geholfen werden. Besonders solche seltenen Vorkommnisse werden am besten unter realistischen Bedingungen mit allen Beteiligten geübt.

Hierfür wurde von der Freiwilligen Feuerwehr Unterföhring eine Nachtübung angesetzt, bei der von der DB Regio AG ein S-Bahn-Triebzug (Kurzzug) zur Verfügung gestellt wurde. Der rettungsdienstliche Teil dieser Übung wurde durch den Münchner Krankentransporte (MKT) e.V. organisiert. Für ein wirklich realistisches Szenario mit entsprechend vielen verunfallten Fahrgästen wurde bereits Ende Dezember nach freiwilligen Statisten gesucht. Durch die Verbreitung über Facebook und Radio fühlten sich nicht nur Unterföhringer Bürgerinnen und Bürger angesprochen, sondern Menschen aus ganz Bayern. Innerhalb kürzester Zeit konnten so 110 Darsteller für die verschiedensten Rollen gewonnen werden.

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Am Freitagabend fanden sich die Statisten ab 22:00 Uhr zum Schminken im Feuerwehrgerätehaus ein. Dabei wurden sie in Leicht-, Mittel- und Schwerverletzte eingeteilt, medizinische Besonderheiten festgelegt, die Rollen, auch von Unbeteiligten oder Störern vergeben und die Positionen wie ‚in der S-Bahn‘, ‚auf den Gleisen‘, ‚im Bahnhof‘ geregelt.

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Michael Spitzweg, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Unterföhring begrüßte alle Teilnehmer herzlich. Sein größtes Anliegen war: „dass alle nach der Übung wieder gesund und heil zurück kommen und der öffentliche Nahverkehr auf der wichtigen Strecke zum Münchner Flughafen wieder pünktlich seinen Dienst aufnehmen kann.“ Es folgten die Einweisung durch die DB Regio Fachbereichsleiter, des MKT, sowie durch den Übungsleiter Kilian Wimmer.

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Danach ging es in einem langen Zug, teils dramatisch geschminkter und gespenstischer Darsteller in Richtung Bahnhof. Alle Statisten, auch solche die später am Bahnhof zum Einsatz kamen, stiegen in den bereitstehenden Kurzzug ein, denn alle sollten die Möglichkeit bekommen, den Tunnel zu betreten.

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Der Zug stoppte in der vorgesehenen Position im nördlichen Teil des Unterföhringer S-Bahn-Tunnels: in unerwarteter Schräglage, was bei der normalen Durchfahrt so nicht empfunden wird.

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Um 1:20 passierte die letzte S-Bahn vom Flughafen kommend die Einsatzstelle. Nachdem alles gesichert und der Strom abgeschaltet war, durften die Darsteller – je nach Rolle – aussteigen und ihre Positionen beziehen.

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Der Tunnel wurde mit Hilfe von 6 Nebelmaschinen ‚verraucht‘ und die Stimmung des stehenden Zugs im Tunnel begann auch durch die eingespielten Geräusche und Hilferufe unheimlich zu werden.

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Die Rettungskräfte wurden wie vorgesehen um 1:30 alarmiert.

Die Übungssituation war folgende:
>> An einer Arbeitsstelle im S-Bahn-Tunnel werden planmäßige Schleifarbeiten am Gleis mit einer Handschleifmaschine durchgeführt. Um ca. 01:30 Uhr wird diese von einem Mitarbeiter mit Benzin aufgefüllt, damit die Schleifarbeiten fortgesetzt werden können. Hierbei rinnt aufgrund von Unachtsamkeit ein Teil des Benzins auf den heißen Motor. Es kommt zu einer Verpuffung – das aus dem Kanister auslaufende Benzin fängt Feuer und es entsteht eine starke Verrauchung. Zwei Mitarbeiter werden schwer verletzt und können sich selbst nicht mehr retten. Da der Tunnel schnell verraucht, gelingt es den anderen Kollegen nicht mehr, sie zu bergen. Die drei leicht verletzten Mitarbeiter laufen in Richtung Notausstieg und Bahnsteig Unterföhring. Hierbei setzt einer den Notruf ab, um Hilfe zu holen. Durch die Verrauchung wird die bereits in den Tunnel eingefahrene S-Bahn (in Richtung Flughafen) zu einer Notbremsung gezwungen. Der Zug bleibt samt Fahrgästen im Tunnel stehen. Durch den Rauch gelingt es den Personen im vorderen Bereich der Bahn nicht mehr vollständig, sich zu befreien. Die Personen, denen die Selbstrettung gelingt, laufen in Richtung Notausstieg. Die Personen im hinteren Zugbereich können in Richtung Bahnsteig Unterföhring fliehen. <<

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Auf dieses Szenario trafen die Feuerwehren:
die Freiwillige Feuerwehr (FF) Unterföhring über den Zugang am Bahnhof, die FF Ismaning am nördlichen Tunnelausgang, Berufsfeuerwehr (BF) München, FF München Abteilung Oberföhring und FF München Abteilung Freimann am südlichen Tunnelausgang, die Unterstützungsgruppe Einsatzleitwagen (ELW) und die Kreisbrandinspektion – mit einer Gesamtanzahl von 174 Einsatzkräften und 43 Fahrzeugen, wovon 2 Fahrzeuge und 13 Teilnehmer die Gebietsabsicherung übernahmen.

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Die Versorgung der Verletzten übernahmen die Rettungsdienste:
Münchner Krankentransporte (MKT), Bayerisches Rotes Kreuz (BRK), Johanniter Unfallhilfe (JUH), Malteser Hilfsdienst (MHD) und die Aicher Ambulanz Union (AAU) – mit einer Gesamtanzahl von 94 Rettungskräften und 32 Fahrzeugen, wovon 1 Fahrzeug mit 2 Personen als Realfall-Rettungswagen bereit stand.

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Die über den nördlichen Tunneleingang kommende Freiwillige Feuerwehr Ismaning meldete bald den (simulierten) Brand als gelöscht. Die über den Notausstieg aus dem Tunnel geretteten Personen wurden von den mitübenden Rettungseinheiten situationsgerecht vor Ort vorsorgt, sowie ins angenommene Krankenhaus im Unterföhringer Feuerwehrgerätehaus gebracht.

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Gegen 3:30 Uhr war wie vorgesehen das Übungsziel erreicht und alle Personen aus dem Tunnel an die Rettungsdienste übergeben. Nach einem entsprechenden Rückbau und den Aufräumarbeiten fanden sich bis spätestens 4:15 Uhr auch die letzten Darsteller, Einsatzkräfte und Helfer zum gemeinsamen Frühstück im Feuerwehrgerätehaus ein.

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Inklusive weiterer Übungsbeobachter, der Maskenbildner, Bahnkundenbetreuer, Notfallmanager, Angestellte der S-Bahn, Gemeinderäte, der Küchenmannschaft und dem Aufbauteam waren insgesamt 440 Personen an der Übung beteiligt.

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Michael Spitzweg dankte allen Teilnehmern von Herzen, besonders auch, dass von der organisatorischen Seite her alles so reibungslos geklappt hat und sich auch die Darsteller allesamt wieder eingefunden und abgemeldet hatten. Danach richtete der Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer die Worten an die Anwesenden, wie auch Kreisbrandrat Josef Vielhuber. Die Erkenntnisse aus der Übung werden in den nächsten Wochen besprochen und daraus mögliche zukünftige Verbesserung im Einsatzvorgehen, dem Einsatz- und Alarmplan eingearbeitet.

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Aus den Reihen der Mitübenden Rettungskräfte war mehrfach das Lob zu hören wie gut die Veranstaltung organisiert war, sowie das Erstaunen wie realistisch die Darsteller waren! Auch von der Freiwilligen Feuerwehr Unterföhring ein herzliches Dankeschön an alle freiwilligen Statisten, alle Helfer im Hintergrund, die teilnehmenden Einsatzeinheiten, sowie an die Freiwillige Feuerwehr Garching welche während der Übung die Gebietsabdeckung übernahm.

Und nicht zuletzt an die Unterföhringer Bevölkerung für ihr Verständnis für die nächtliche Übung.